Die Bilder Honerlas schleichen sich überraschend ins Leben des Betrachters. Sie führen auf neues Terrain, von dessen Existenz wir nur ahnten. Sie laden ein, mit ihnen unsere Tage und Nächte zu verbringen. Sie sind wie ein guter Freund.

 

                                                                                                                                                                                   ein guter Freund 2016

 

Es geht um Farbe

Markus Honerla hat in verschiedenen Genres gearbeitet. Gepackt hat ihn die Malerei.

 

Tony Cragg, Richard Serra, Magdalena Jetelová, Bruce Nauman, Donald Judd – wenn Markus Honerla aufzählt, wer ihn während seiner Zeit an der Düsseldorfer Kunstakademie geprägt hat, klingt das nach dem Documenta-Personal der 80er bis 90er Jahre. In Düsseldorf hatten sich die Erstligisten der Kunst versammelt, lehrten an der Akademie, bestritten Ausstellungen. Honerla hatte gerade noch die Dresdner Abendmalklasse besucht und nicht nur im Vergleich dazu muss ihm Düsseldorf wie die Große Freiheit erschienen sein: Offenheit zwischen den künstlerischen Genres – von Fotografie bis Bühnenbild – statt räumlich getrennter Studiengänge für Malerei und Plastik, Offenheit für alle Strömungen dieser Welt statt regionaler Echokammern.

Doch von der Bildhauerei, die Honerla in Düsseldorf zunehmend intensiver betrieb, ist Malerei geblieben. Und dass dazwischen ein langes Kapitel digitaler Bildbearbeitung lag, im Berlin der Nullerjahre, muss man auch gesagt bekommen. Jetzt zu sehen ist lupenreine Flachware für die Wand, klassisch ausgeführt mit Pinsel und Farbe. Den Beginn markiert ein ganz konkretes Bild: „ASA NISI MASA“ von 2007. Es ist eins der ersten, das Markus Honerla nach gut 20-jähriger Mal-Abstinenz auf die Leinwand brachte. Ein Aufbruch, der mit einer Erkenntniss einherging: Der Kontakt zwischen Künstler und Leinwand ist unmittelbar. Alles, was darauf erscheint, erscheint in Echtzeit und wird weder von der Rechenleistung eines Computers limitiert, noch von dem technischen Aufwand, der in der Bildhauerszene der 90er Jahre üblicherweise betrieben wurde. Im Vergleich dazu ist Malerei eine geradezu organische Arbeitsweise bei minimalem Einsatz der Mittel – die allerdings nach wie vor maximales Können erfordert, um einer Empfindung Form und Farbe zu geben. In Honerlas Fall kommt noch die Struktur hinzu. In der strikt schwarz-weiß abgemischten „Land“-Serie ist sie bildbestimmend: Feine Parallellinienreliefs erschaffen Formen, weiten sich zu Landschaften. In den Etüden wiederum wirkt die Farbe wie aus Papierstreifen geschnitten. Überhaupt verwendet Honerla oft Collage-Optiken, die er dennoch ausschließlich in Farbe ausführt. Lacke übrigens, welche jeweils einen Film bilden, die sich wie viele Folien übereinanderlegen. Und genau diese Technik scheint den Bogen zu schließen: Zur Bildhauerei, wenn Honerla die einzelnen Farbaufträge als abgegrenzte Schichten begreift und sehr genau glänzende und matte Oberflächen nebeneinander setzt. Und zur digitalen Bildbearbeitung, wenn Formen sich plötzlich aus ihrem Zusammenhang lösen und von Honerla über andere geschoben werden.

Am Ende aber geht es um Farbe. Nicht als Textur, sondern als Rot, Gelb, Blau. Die drei Grundfarben, aus denen all diese leuchtenden Bilder entstehen.

 

                                                                                                                                                                                   Siiri Klose 2018

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